Die neue halbjährliche Mittelstandsumfrage von DZ BANK und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) unter mehr als 1.000 mittelständischen Unternehmen zeigt ein gemischtes Bild: Rund 70 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“. Gleichzeitig sinkt die Investitionsbereitschaft auf ein neues Tief.
Kostenbelastung als Top-Problem
- Bürokratie bleibt für die befragten Mittelständler das größte Problem: 74 Prozent nennen sie als wesentlichen Belastungsfaktor. Im Herbst 2025 waren es noch 80 Prozent.
- 67 Prozent sehen die hohen Energiekosten als Belastung. Im Herbst 2025 waren es 53 Prozent.
- Auch die Rohstoff- und Materialkosten haben an Bedeutung gewonnen: 57 Prozent nennen sie als Problem, nach 43 Prozent im Herbst 2025.
- Die Arbeitskosten folgen mit 53 Prozent auf Platz vier der genannten Kostenprobleme.
Lieferengpässe und Preise
Die Sorge vor Lieferengpässen ist innerhalb von sechs Monaten deutlich gestiegen: 31 Prozent der Unternehmen berichten von Problemen – 13 Prozentpunkte mehr als im Herbst 2025. Besonders betroffen sind die Elektroindustrie sowie die Chemie- und Kunststoffindustrie, wo jeweils fast jedes zweite Unternehmen entsprechende Probleme meldet.
Der Kostendruck schlägt sich auch in den Preiserwartungen nieder: 43 Prozent der Unternehmen planen Preiserhöhungen. Im Herbst 2025 waren es 34 Prozent. Nur knapp 5 Prozent rechnen mit sinkenden Preisen.
Beschäftigung und Internationalisierung
Trotz des schwierigen Umfelds planen 16 Prozent der Unternehmen einen Personalaufbau, während 11 Prozent einen Stellenabbau erwarten.
Knapp 54 Prozent der Mittelständler sind bereits im Ausland aktiv. Das entspricht einem Anstieg um 10 Prozentpunkte gegenüber dem Frühjahr 2024. Wachstum und Expansion finden damit zunehmend auch außerhalb Deutschlands statt.
Investitionsbereitschaft sinkt
Nur noch 52 Prozent der Unternehmen planen, in den kommenden sechs Monaten in ihren Betrieb zu investieren. Das entspricht einem Rückgang um 9 Prozentpunkte gegenüber Herbst 2025 und markiert ein neues Allzeittief.
Investiert wird in Deutschland derzeit vor allem in die Bestandssicherung. Wachstum und Expansion finden dagegen zunehmend im Ausland statt. Ausnahmen bilden Bereiche, in denen die Transformation bereits für zusätzliche Nachfrage sorgt – etwa Energie- und Wärmewende, Verteidigung sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Als wesentliche Belastungsfaktoren nennt die DZ BANK die anhaltende wirtschaftliche Schwäche, unterausgelastete Industriekapazitäten sowie die hohen Energie- und Rohstoffkosten.
Bilanzqualität im Mittelstand
Auch die Bilanzqualität des Mittelstands hat sich deutlich verschlechtert. Der Bilanzqualitätsindex sank um 10,4 Punkte auf 114,3 Punkte. Damit liegt er auf dem niedrigsten Stand seit 2012.
Die durchschnittliche Eigenkapitalquote sank von 30,7 Prozent im Jahr 2024 auf 26,5 Prozent. Gleichzeitig stieg der dynamische Verschuldungsgrad um 43,6 Prozentpunkte auf 364,5 Prozent. Ursache ist insbesondere die zunehmende Fremdfinanzierung bei nahezu stagnierendem Cashflow.



