Hausgemachte Krisen

Wenn Managementfehler zu Restrukturierungen führen

iStock, tiero

Aktuell steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Gerne genannte Gründe sind politischer Natur wie zu hohe Energiekosten, strangulierende Bürokratie und steigende Steuern und Abgaben. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. „Praktisch alle Krisen sind hausgemacht“, so formulierte es Management‑Professor Gilbert Probst bereits 2004, nachdem er 100 große Krisenunternehmen mit Insolvenzen und Restrukturierungsbedarf untersucht hatte. Er identifizierte dabei zwei entgegengesetzte Krisensyndrome, deren Logik auch heute noch als hilfreiches Denkmodell dient.

Burn‑out‑Syndrom

Unternehmen dieser Sorte geraten in die Krise, weil ein meist sehr machtvolles Top‑Management ein exzessives Wachstum mit zahlreichen Übernahmen verfolgt, die Organisation permanent umbaut und eine überzogene Erfolgskultur erzwingt.  Die Firmen laufen auf Hochtouren, sind hoch verschuldet, extrem komplex und dauerhaft überfordert – bis zum organisationalen Burn‑out und im Extremfall zum Zusammenbruch.

Ein prominentes deutsches Beispiel ist die Signa‑Gruppe mit der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof: Der letzte große Warenhauskonzern Deutschlands musste Anfang 2024 bereits zum dritten Mal in weniger als vier Jahren Insolvenz anmelden, nachdem das hochverschuldete Signa‑Konglomerat mit aggressiver Expansion in Handels- und Immobilienprojekte ins Straucheln geraten war.  

Ebenfalls in diese Kategorie fällt der Heizungshersteller Windhager mit deutscher Niederlassung, der nur ein Jahr nach der Meldung eines Rekordumsatzes Insolvenz anmelden musste – belastet durch eine umfangreiche, kreditfinanzierte Investition in ein neues Wärmepumpenwerk, die sich im Umfeld eines abrupt einbrechenden Marktes nicht mehr refinanzieren ließ.

Premature‑Aging‑Syndrom

Im Gegensatz dazu stehen Unternehmen, die vorzeitig altern, stagnieren und ihre Beweglichkeit verlieren.  Einst erfolgreiche Firmen ruhen sich auf bestehenden Produkten, Technologien und Strukturen aus, scheuen Risiken und verschlafen notwendige strategische Weichenstellungen.

Galeria Karstadt Kaufhof ist zugleich ein Beispiel für ein Premature‑Aging‑Muster: Das traditionelle Warenhauskonzept wurde über Jahrzehnte hinweg nur inkrementell angepasst, während Online‑Plattformen, neue Handelsformate und ein verändertes Konsumverhalten die Rolle großer Kaufhäuser in deutschen Innenstädten systematisch aushöhlten.  

Ein weiteres Beispiel ist der Autozulieferer Borgers, der in einem Umfeld absehbarer Transformation hin zu Elektromobilität, Leichtbau und veränderten OEM‑Anforderungen seine Position nicht ausreichend neu definiert hat und in die Insolvenz rutschte, während die Branche von einer Welle an Zuliefererpleiten erfasst wurde.

Aderhold Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Daniel Wagener
KölnTurm, Im Mediapark 8
50670Köln
Tel.: 49 0221 933 12-317

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