Google-Bewertungen transparenter

Was sich jetzt für Ihr Unternehmensprofil ändert

iStock, Chainarong Prasertthai

Google hat eine neue Transparenzfunktion eingeführt, die das Bewertungssystem für Unternehmensprofile sichtbar verändert. Seit Ende April 2026 zeigt der Konzern in Deutschland in Google‑Profilen an, wie viele Rezensionen innerhalb der vergangenen zwölf Monate nach Beschwerden aufgrund von Diffamierung nach deutschem Recht entfernt wurden. Die Skala reicht dabei von einzelnen Löschungen bis hin zu Angaben wie „201 bis 250“ oder sogar „mehr als 250“ gelöschten Bewertungen.

Ziel und Funktionsweise der Kennzeichnung

Nach eigener Darstellung will Google mit dieser Neuerung mehr Offenheit im Umgang mit Bewertungsmanipulationen schaffen und die Moderationspraxis nachvollziehbarer machen. Erfasst werden ausschließlich Rezensionen, die aufgrund von Diffamierungsvorwürfen entfernt und deren Löschung anschließend nicht wieder aufgehoben wurde. Nutzerinnen und Nutzer haben grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Bewertung zu verteidigen und entsprechende Nachweise vorzulegen. Zugleich betont Google, dass die Anzahl gelöschter Bewertungen keinen Einfluss auf Sichtbarkeit oder Platzierung in den Suchergebnissen habe.

Warum Bewertungen heute so wirkmächtig sind

Die Einblendung dieser neuen Kennzahl entfaltet ihre Wirkung vor dem Hintergrund einer stark gestiegenen Bedeutung von Online‑Rezensionen. Studien zeigen, dass eine überwiegende Mehrheit der Verbraucher vor Kauf‑, Buchungs‑ oder Dienstleistungsentscheidungen Bewertungen konsultiert und diese häufig höher gewichtet als klassische Werbung oder Herstellerinformationen. Besonders im Hotel‑, Gastro‑ und Gesundheitsbereich geben viele Menschen an, ihre Wahl maßgeblich an Sterne‑Niveau und aktuellen Kommentaren auszurichten. Schon kleine Unterschiede im Bewertungsdurchschnitt können messbar darüber entscheiden, welcher Betrieb angeklickt, kontaktiert oder gebucht wird.

Selektive Transparenz und Reputationsrisiken

Problematisch ist, dass die nun sichtbare Zahl gelöschter Bewertungen nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Moderationspraxis abbildet. Nicht erfasst werden Rezensionen, die aus anderen juristischen Gründen oder wegen Verstößen gegen die Google‑Richtlinien entfernt wurden – etwa bei Fake‑Profilen, Spam, Interessenkonflikten oder massenhaften Bot‑Bewertungen. Weshalb diese Eingriffe nicht ebenfalls transparent ausgewiesen werden, erläutert das Unternehmen bislang nicht. Dadurch entsteht ein Informationsgefälle: Die nackte Zahl suggeriert Vollständigkeit, basiert aber auf einer selektiven Datenbasis.

Für die Wahrnehmung durch Gäste und Kunden kann dies erhebliche Konsequenzen haben. Eine ungewöhnlich hohe Zahl entfernter Rezensionen dürfte bei vielen Nutzern spontanen Zweifel an der Glaubwürdigkeit eines Profils auslösen. Gerade engagierte Betriebe, die konsequent gegen Schmähkritik, falsche Tatsachenbehauptungen oder Erpressungsversuche vorgehen und damit zur Qualität des Systems beitragen, laufen Gefahr, ausgerechnet wegen ihres Einsatzes unter Generalverdacht zu geraten.

Qualifizierte Transparenz als nächster Schritt

Um den Anspruch echter Transparenz einzulösen, reicht eine bloße Zählung gelöschter Bewertungen nicht aus. Sinnvoll wäre eine differenzierte Ausweisung der Löschgründe – etwa nach Kategorien wie Schmähkritik, nachweislich falsche Tatsachenbehauptungen, Fake‑Bewertungen, Bewertungen von Nicht‑Gästen oder Erpressungsversuche, jeweils mit Angabe der Häufigkeit. Eine solche qualifizierte Transparenz würde sichtbar machen, dass hier keine berechtigte Kritik unterdrückt, sondern Plattformregeln und geltendes Recht konsequent durchgesetzt werden. Während eine nackte Zahl schnell einen Pauschalverdacht erzeugt, wäre eine nach Löschgründen aufgeschlüsselte Darstellung eine echte Verbraucherinformation – und ein faireres Signal für die Unternehmen, die sich aktiv um die Integrität ihres Bewertungsprofils bemühen.

dreivorzwölf marketing GmbH

Geschäftsführer Stefan Degreif
Göttelmannstraße 13a
55130Mainz
Tel.: 06131144090
Fax: 0613114409 22

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