Unternehmenskäufe in Europa

Feindliche Übernahme durch China?

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Der wachsende chinesische Einfluss auf den Weltmärkten ist ein hochbrisantes politisches Thema. China baut seinen internationalen Einfluss durch Unternehmenskäufe, Beteiligungen und strategische Projekte wie die 5G-Technologie (mit Huawei) und die neue Seidenstraße immer weiter aus. Andererseits wird China vor allem von Deutschland und der EU eher mit Samthandschuhen angefasst, weil der Zugang zum riesigen China-Markt nicht gefährdet werden soll. Deutsche Unternehmen geraten dabei immer häufiger zwischen die Fronten von China und den USA. Hier nun ein Überblick über chinesische Direktinvestitionen und M & A-Aktivitäten in der EU und Deutschland von 2000 bis 2019.

Chinas Aufbruch in die Welt

China hat innerhalb von 20 Jahren den Sprung von einem eher landwirtschaftlichen Entwicklungsland zu einer führenden Wirtschaftsmacht geschafft. Grundlage dafür war u.a. die 2020 verabschiedete „Going Out“-Strategie. Ziel der chinesischen Regierung ist es, den Zwischenschritt von der Landwirtschaft zur „Werkbank der Welt“ zu überwinden und in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts selbst zu einer führenden Technologienation zu werden. Deutschland und die EU wurden daher zu den bevorzugten Ländern für Direktinvestitionen, die nach einer Ausarbeitung des Mercator Instituts for China Studies (MERICS) vom April 2020 ihren Höhepunkt 2016 hatten und seitdem wieder abflauen.

Chinas EU-Investitionen

Nach der MERICS-Studie stiegen die chinesischen Direktinvestitionen von erst 100 Millionen Euro im Jahr 2000 auf 37 Mrd. Euro 2016. Davon waren rund 35 Mrd. Euro Unternehmenskäufe und Beteiligungen, der Rest Neuprojekte (Greenfield-Investments). Danach ging es mit den chinesischen Investitionen kontinuierlich bergab: 29,2 Mrd. (2017), 17,4 Mrd. (2018) und 11,7 Mrd. (2019). 2020 dürfte der Betrag Corona-bedingt weiter sinken.

Investments nach Ländern

2016 haben die Chinesen von ihren 37 Mrd. Euro rund 30 % in Deutschland investiert. Bereits 2017 sank der Anteil drastisch auf 5 %. Dafür stieg zeitgleich der Anteil Großbritanniens an den chinesischen Investments auf 60 %. 2019 investierte China von den ohnehin mageren 11,7 Mrd. Euro nur noch 4 % in Deutschland. Der chinesische Fokus lag dafür mit 53 % auf Nordeuropa. Zwischen 2010 und 2019 betrug das gesamte chinesische Investment 22,7 Mrd. Euro in Deutschland, dagegen 50,3 Mrd. Euro in Großbritannien.

Weitere Fakten

Interessant ist noch, dass bis 2015 zu 70 % chinesische Staatsunternehmen als Unternehmenskäufer aufgetreten sind. 2019 waren sie nur noch mit 11 % beteiligt. Aktiv sind nun private chinesische Unternehmen.
2015 zum Höhepunkt chinesischer Investitionen lagen vor allem Unternehmen aus dem Maschinenbau, Autosektor und ITK-Bereich im Fokus. 2019 stand die Konsumgüterindustrie im Blickpunkt.
Fazit: Es scheint, dass das Interesse Chinas an EU-Unternehmen abgekühlt ist. Möglichweise ist es ein Indiz dafür, dass genügend Know-how abgezapft wurde und nun der Schwerpunkt auf der Entwicklung eigener Industrien liegt, um damit dann auf den Weltmarkt zu treten. Die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz und Elektromobilität unterstreicht das. Auch könnten andere Weltregionen und strategische Großprojekte wie die Seidenstraße nun interessanter sein.

Link zur Studie Mercator Instituts for China Studies (MERICS)

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